Archivio di Stato di Torino
Staatsarchiv Turin
3 DIE SCHWEIZ BETREFFENDE DOKUMENTE
Seit der Einigung Italiens ist das Staatsarchiv Turin (Archivio di Stato) Aufbewahrungsort der Akten des ehemaligen savoyischen Reiches wie auch der heutigen Provinz Turin. Das Herzstück bilden die ältesten Dokumente aus dem 13. Jahrhundert (Archives de la Cour, Archives Camérales). Die lange, bewegte Geschichte Savoyens und die Entwicklung der Verwaltung (Notariat, Kanzlei) liessen die Bestände stetig anwachsen.
Die Verwaltung dieses umfassenden juristisch-administrativen "Gedächtnisses" machte eine Klassierung der Archivalien nötig. Die 1263-1268 durch Peter II. erlassenen Statuten beweisen, dass man sich schon früh mit diesen Fragen beschäftigte, doch dauerte es noch eine Weile bis zu den ersten Inventaren (um 1559). Diese entstanden im Zusammenhang mit der Verlegung der Hauptstadt von Chambéry nach Turin durch Herzog Emmanuel Philibert.
Die neue Archivstruktur ordnete die Akten der einzelnen Bureaus verschiedenen Themenkreisen (wirtschaftlichen, politischen, kirchlichen usw.) zu.
Seit dem Jahre 1723 war den Untertanen zur Geltendmachung ihrer Rechte der Zutritt zum Archiv gestattet. König Albert machte durch das Verwaltungsstatut von 1848 das Hofarchiv (Archives Royales de la Cour) zum Zentralarchiv des Königreichs Sardinien-Piemont. Das Turiner Archiv war nach 1870 für kurze Zeit Archiv des Königreichs Italien, seit 1874 dient es als Archiv der Region Piemont unter der Bezeichnung "Surintendance des Archives du Piémont".
Zwei Standorte
Das Gebäude des Hofarchivs (Archives de la Cour), eigens für archivalische Zwecke konzipiert, entstand 1731 als Aufbewahrungsort der Dokumente des Savoyerreiches. Die Zunahme der Bestände führte 1925 zur Errichtung eines zweiten Archivdepots im ehemaligen Spital San Luigi an der Via Santa Chiara. Die zwei Gebäude führten zur Verteilung der Dokumente auf zwei Standorte, ermöglichen aber trotzdem einen umfassenden Umgang (Lagerung, Erschliessung, Benutzung) mit den Archivalien, die, beginnend mit dem Jahr 726, zwölf Jahrhunderte Geschichte umfassen und sich über eine Länge von 70'000 Laufmetern erstrecken.
An der Piazza Castello befindet sich das Hofarchiv (Archives de la Cour) mit den Beständen des ehemaligen Savoyerreiches, den kirchlichen Archiven und den alten Familienfonds. Der Palast San Luigi beherbergt die Bestände der Rechnungskammer (Chambre des Comptes), darunter die Akten der "italienischen" Verwaltung ab 1861, daneben umfassendes Material zum Notariats- und Kadasterwesen. Beide Standorte besitzen wertvolle Sammlungen von Karten und Plänen, während die Druckwerke vom 16.-20. Jahrhundert an der Piazza Castello untergebracht sind.
Die Bedeutung
Das Turiner Staatsarchiv ist interessant für alle, die sich mit der Geschichte des alpinen Sattelstaates Savoyen, eines vielschichtigen Reiches zwischen Mittelmeer und Burgund, befassen. Die Quellen zum Rechnungswesen sind vom 13. bis zum 19. Jahrhundert fast vollständig erhalten, sei es für die zentrale Verwaltung (Comptes des Trésoriers Généraux), sei es auf lokaler Ebene (Comptes des châtellenies), und ihr Inhalt ist äusserst vielseitig. Die Notariatsregister widerspiegeln einerseits die Arbeit der savoyischen Kanzlei, enthalten aber auch unzählige Akten über Personen und Ortschaften im gesamten Herrschaftsbereich. Andere Bestände sind nach geographischen oder thematischen Kriterien geordnet. Aus der Einflussnahme Savoyens auf die europäische Politik resultiert eine grosse Vielfalt von Quellen, die weit über die Grenzen Savoyens hinaus (Frankreich, Deutsches Reich, Papsttum, Italien) reichen.
Piazza Castello, 209
I-10124 TORINO
Tel. 011 540 382 / 011 562 44 31
Fax 011 546 176
e-mail : astoarchivio@piemonte.beniculturali.it
DIE SCHWEIZ BETREFFENDE DOKUMENTE
Das Staatsarchiv Turin besitzt nicht nur Dokumente über das Piemont und das Aostatal, sondern auch über die ehemaligen Gebiete des Herzogtums Savoyen in Frankreich und in der Westschweiz.
Dank dem Entgegenkommen der Verantwortlichen in Turin stehen die die Schweiz betreffenden Inventare der Stiftung des Historischen Archivs der Abtei Saint-Maurice (FAHASM) für die online-Publikation zur Verfügung. Sie zeugen von den vielfältigen früheren Beziehungen zwischen den heute italienischen, französischen und schweizerischen Regionen des Alpenraums.
Einsehbar sind allerdings nicht die einzelnen Dokumente, sondern nur die meist aus dem 18. Jahrhundert stammenden Inventare, deren Text hier unverändert wiedergegeben wird, also in der originalen Schreibweise und ohne Auflösung von Abkürzungen.
TABLE DES MATIERES
Sources : Archivio di Stato di Torino Copyright © ASTO 2006